Hanfparade 2000 & Hamburger Hanffest 2000
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Berlin
Die Organisation und Durchführung der größten Bundesweiten Hanfdemo war schon immer mit recht viel Schwierigkeiten und hohen Kosten verbunden. Im letzten Jahr musste der Veranstaltungsort am symbolträchtigen Brandenburger Tor und die Anerkennung als politische Demonstration noch gerichtlich durchgesetzt werden, dieses Jahr hatten sich die Berliner Behörden mal wieder etwas Neues ausgedacht. Verkaufsstände die keinen direkten Bezug zur Pflanze Hanf haben wurden nicht genehmigt, der Verkauf von Baumwoll T-Shirts mit "Legalize It" Aufdruck oder der Verkauf von Rauchgeräten wie Bongs und Pfeifen ( wo da der Bezug zur Pflanze Hanf fehlt soll mir mal jemand erklären ) sollte verhindert werden. Auch der Ausschank von Getränken (ausser Cannabia und anderen Hanfgetränken) und der Aufbau der "Fressmeile" wurden nicht genehmigt. Ein Einspruch der Organisation Hanfparade wurde kurz vor Beginn der Hanfparade vom Gericht abgelehnt. Da sich nicht alle daran hielten wird das sicherlich noch ein Nachspiel haben, was da von Seiten der Behörde noch kommt bleibt abzuwarten. Wenn man den chronischen Geldmangel der Organisation Hanfparade kennt ist es sicherlich ein geschickter Schachzug die finanziell lohnenden kommerziellen Stände zu verbieten, ein Zeichen dafür, dass es einige wohl doch gestört hat jedes Jahr wieder die Hanfparade durch Berlin ziehen zu sehen. Am Versammlungsort selber und den Bus- und Bahnstationen am Alexanderplatz soll die Polizei massiv Kontrollen der Demonstranten durchgeführt haben, obwohl die Berliner Polizeiführung vorher zurückhaltendes Vorgehen angekündigt hatte. Der Umzug selber, der ohnehin schon etwas verspätet begann, wurde unterwegs mehrfach behindert, so dass die Parade weit auseinandergezogen und mit. deutlicher Verspätung am Brandenburger Tor ankam. Wer nun aber geglaubt hatte damit die Hanfparade aufzulösen oder wenigstens klein zu halten sah sich getäuscht, nicht zuletzt das schöne Wetter bei Temperaturen um 25 Grad sorgte dennoch für hohe Besucherzahlen. Auch der "Skandal" eines großen Haschisch-Vergleichstests und eines ausführlichen Berichtes über die Hanfparade im Berliner Szenemagazin TIP dürfte für einen kleinen Aufschwung gesorgt haben. Gute Stimmung lieferten die Bands auf der großen Hauptbühne und die Paradewagen. Merkwürdig allerdings wieder die genannten Besucherzahlen, die irgendwo zwischen 3000 und 100.000 lagen. Die Berliner Presse nannte am nächsten Tag einhellig 10.000 Besucher der Hanfparade, eine Zahl die sich in den letzten Jahren eingebürgert hat, mehr dürfen es anscheinend nicht sein. Jeder, der das Gedränge auf der Abschlussveranstaltung erlebt hat, wird gemerkt haben dass diese Zahlen nicht stimmen können. Trotz aller Widrigkeiten also eine gelungene Veranstaltung - bis zur Katastrofe um 19:15 Uhr. Da sich der Himmel immer mehr verdunkelte und am Horizont die ersten Blitze eines Gewitters zu sehen waren konnte man zwar mit schlechterem Wetter rechnen, aber was dann folgte hat wohl jeden kalt erwischt. Die erste Sturmbö fegte die Strasse des 17. Juni hoch und deckte schon mal etliche Stände ab, danach prasselten teilweise faustgroße Hagelkörner auf Besucher und Stände ein und sorgten für den Rest. Wer versuchte sich unter die noch vorhandenen Zeltdächer der Stände oder des Pressezentrums zu retten war dem Unwetter mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert, der Rest flüchtete im Laufschritt. Innerhalb von Minuten schaffte das Wetter, was den Behörden bis zum Schluss nicht gelang: die Hanfparade wurde aufgelöst. Auch die wieder zahlreich vorhandene Polizei rückte innerhalb weniger Minuten komplett ab, da man wohl erkannt hatte das sich hier nicht mehr viel abspielen würde. So fiel dann die geplante Abschlusskundgebung ins Wasser, einige Bands konnten nicht mehr auftreten und auch für zahlreiche Stände dürften das ein Verlustgeschäft gewesen sein. Der geplante Start hunderter mit Hanfsamen gefüllter Luftballons wurde vorgezogen, überlebt haben dürften das allerdings nur sehr wenige, die meisten wurden vom Hagel schon beim Start zerstört. Wie sich das - wohl auch finanzielle Fiasko - auf das Bündnis Hanfparade auswirkt und ob es im nächsten Jahr überhaupt noch eine Hanfparade geben wird muss man abwarten. Bleibt nur zu hoffen dass die Behörden am Ende nicht triumphieren können, nur weil ein Unwetter die vierte Berliner Hanfparade zerstörte.
Wie es aussieht wird schon wieder an der Hanfparade 2001 gearbeitet : )
Bilder der Berliner Hanfparade
Hamburg
Wesentlich friedlicher blieb das Wetter Wochen vorher auf dem Hamburger Hanffest. Das Fest fand diesmal wieder im Schanzenpark statt, schön weit abseits der "Normalbürger", aber diesmal sogar über das ganze Wochenende von Freitag bis Sonntag. Es war erst am Sonntag so schön, daß man im Park auf einer Decke gemütlich sitzen konnte um das Treiben zu beobachten und die Musik auf der Bühne zu geniessen, aber man konnte jede Menge nette Leute treffen und sich an diversen Ständen informieren. Gemessen an der Hanfparade ist die Veranstaltung in Hamburg nur ein kleines Ereignis, findet aber in der Presse doch jedesmal Beachtung. Sogar die BILD Zeitung sprach diesmal von über 4000 Besuchern und ersparte sich im Gegensatz zum Vorjahr sogar dusselige Bemerkungen. Es hat sich wohl auch diesmal keiner gefunden der sich mit Schlapphut, Sonnenbrille und "Joint" dem Fotografen zur Verfügung stellen wollte. Leider gab es diesmal auch negative Schlagzeilen, es gab einige Zwischenfälle, einen Diebstahl mit grosser Verfolgungsjagd durch die Polizei, die sonst eigentlich nie in Erscheinung trat und irgend ein Spinner musste seinen Kampfhund unbedingt frei rumlaufen lassen, was bei der hohen Anzahl an Hunden im Schanzenpark logischerweise in's Auge gehen musste. Solche Schlagzeilen kann man natürlich nicht gebrauchen wenn man eine friedliche Demo für die Legalisierung plant, aber so etwas lässt sich leider auch nicht immer ausschliessen. Leider sind die Webseiten der Hanftage seit Monaten nicht aktualisiert worden, so daß ich nur hoffen kann das es diese Veranstaltung auch im nächsten Jahr noch gibt.