Zaphods Plattenkiste Pladdenkiste

Je nach Finanzlage und Einkaufsmöglichkeiten werde ich hier die letzten CDs vorstellen die ich mir geleistet habe. Ich hätte auch gerne mal ein paar Ausschnitte als mp3 File zum reinhören angeboten, aber da so etwas der armen Plattenindustrie solch einen immensen Schaden zufügt und ich ausserdem keine Lust auf irgendwelche Abmahnverfahren dubioser Rechtsverdreher habe verzichte ich doch lieber darauf. Dafür gibt es jetzt einen direkten Link zum Reinhören bei Amazon.de. Wenn ihr dann da eine CD kauft bekomm ich eine Gutschrift und hole mir irgendwann eine CD für lau die ich dann hier wieder vorstellen kann. Also kauft : )
* schrecklich ** lohnt nicht *** durchschnitt
**** ganz ordentlich ***** lohnt sich ****** extraklasse

 



The Who
Endless Wire
reinhören bei Amazon

****
Beim Intro von „Fragments“, dem ersten Stück auf der neuen Who Scheibe „Endless Wire“ hab ich schon gedacht jetzt fällt dem Townshend schon nichts mehr ein und er muss bei sich selber klauen, so sehr erinnert das an Baba O’Riley. 19 neue Songs gibt es, ob die Veröffentlichung unter dem Namen „The Who“ nach dem Tod von John Enthwistle gerechtfertigt ist sei mal dahingestellt, für viele hörten die ja schon mit dem Tod von Keith Moon auf zu existieren. Unter den 19 Songs eine komplette (Mini)-Rockoper namens „Wire And Glass“ aus einigen mehr oder weniger kurzen Songs, die ungefähr die Hälfte der CD ausmacht. Es hat schon ein paar Durchgänge gebraucht bevor ich mich mit der CD anfreunden konnte, aber verlernt haben die beiden nichts, auch wenn die Stimme von Daltrey etwas dünner geworden ist mit der Zeit. Und Songs schreiben kann Pete Townshend immer noch, auch wenn Daltrey angeblich ¾ davon weggeschmissen hat, es blieben noch genügend richtig gute für ein Album übrig, wie z.B. „Black Widows Eyes“ über die schwarzen Witwen von Beslan. Ach ja, Vergleich zu früher: Dreschflegelgitarren gibt’s eher weniger, aber die waren vor 25 Jahren auch schon selten. Es gibt eine (englische) Limited Edition zu der man eher greifen sollte, darauf sind noch zwei Songs in einem etwas längeren Remix, „We Got A Hit“ und „Endless Wire“ sowie eine DVD mit einem Konzertmitschnitt der letzten Tour. Who-Klassiker wie „Baba“, „Behind Blue Eyes“ oder gar „My Generation“ sind auf „Endless Wire“ eher nicht zu fnden, aber wer will das heute schon mit Bestimmtheit sagen, mal sehen was die Geschichte in 10 Jahren dazu meint.


JJ Cale & Eric Clapton
Road To Escondido
reinhören bei Amazon

****

Relaxing mit JJ, das hab ich früher immer sehr gerne gemacht, keiner bringt solche lockeren Tracks wie der Mann, und die ersten Scheiben von ihm sind gehegte Stücke meiner Vinylsammlung. Und nun hat er eine Scheibe gemacht, zusammen mit dem Mann der ihm seine größten Hits verdankt, Eric Clapton. Mit After Midnight fing Erics Solokarriere an, dann kam Cocaine, und auch auf sehr vielen späteren Platten ist mindestens ein Song von Cale dabei. Immerhin dürfte er selber finanziell auch ganz gut gefahren sein dabei, ohne selber im Rampenlicht stehen zu müssen. Nicht das ich mich normalerweise im entferntesten für eine neue Platte von Clapton interessiere, aber für Cale schon. Das kann ja so übel nicht sein hab ich mir gedacht. Und ist es auch nicht. Also sooo übel. Aber wenn ich mir vorstelle was daraus hätte werden können, dann frag ich mich immer: wieso fragen die mich nicht mal vorher. Immer wenn Eric Clapton eine Platte macht schleppt er Simon Climie als Produzenten an, blöderweise auch hier. Der Mann ist das gleiche Problem wie Tom Pettys Dauerproduzent Jeff Lynne, wenn endlich jemand mal Lynne und Climie in die Wüste schicken würde, dann könnten Petty und Clapton vielleicht wieder richtig gute Scheiben machen. Ich hätte Cale und Clapton irgendwo in eine Blockhütte mit Kamin verfachtet, hätte denen n paar Klampfen und ne Kiste Rotwein hingestellt, akustische Gitarre, Dobro, bissl Elektrik, Mikrofone aufgestellt, vielleicht sogar noch einen Bassmann und einen Drummer geschickt und dann mal aufnehmen lassen was so am Wochenende rauskommt. Aber nein, die gehen ins Studio, und dann kommt Simon Climie und dann wird das hier noch geschliffen und da noch poliert und glattgebügelt, und am Ende hat man sogar Schwierigkeiten die Stimmen von Cale und Clapton auseinanderzuhalten so gleichförmig klingt das alles. High End Soundbrei. Dabei sind die Songs ja nicht mal schlecht, sind ja auch bis auf zwei alle von Cale und nicht von Clapton, aber unterm Strich bleibt leider nur eine Platte übrig die auf längeren Autofahrten für entspanntes Fahren sorgt, mehr nicht.


Thea Gilmore
Harpo's Ghost
reinhören bei Amazon

*****

Thea Gilmore kommt aus Oxford, hat 1998 mit gerade mal 19 ihr erstes Album veröffentlicht und bringt es bis heute inclusive diverser selbstveröffentlichter Outtakes und ähnlichem auf über 10 CDs. Und das trotz gerade beendeter dreijähriger Pause wegen klinischer Depressionen. Wieso die mir bis heute entgangen ist weiß ich nicht, ich hab sie erst durch den Sampler im letzten oder vorletzten Rolling Stone kennen gelernt, auf dem ein Song der neuen CD „Harpos Ghost“ zu hören war. Kommt nicht oft vor das mich spontan etwas fasziniert, aber diese Kreuzung aus Chrissie Hynde und Sarah McLachlan, stimmlich wie musikalisch, gefiel mir auf Anhieb. Eine Mischung aus schönen Melodien und (leicht) scheppernden Gitarren, hat’s mir sofort angetan. Und da einem guten Song ja eventuell auch mehr gute Songs folgen, die neue CD angeschafft. Keine Überraschung, es gibt mehr gute Songs, sogar jede Menge davon. Balladen sind dabei in der Minderheit, die Gitarre dominiert, die Texte sind intelligent, politisch, zynisch, kritisch (Everybody’s Numb, We Build A Monster), Fans von Sarah McLachlan sollten sich „Contessa“ anhören, das hätte auch gut auf ein Album der Kanadierin gepasst. Aber so gern ich Sarah mag, Thea Gilmore finde ich momentan spannender. Harpo’s Ghost steht bei mir ganz oben auf der Playliste und das wird sicherlich nicht die letzte Scheibe von Thea Gilmore bleiben.


Mari Boine
Idjagiedas
reinhören bei Amazon

*****
Wer mit dem Namen nichts anfangen kann: Mari Boine ist eine samische (Norwegen) Sängerin, die traditionelle samische Gesänge und Musik mit Elementen aus Rock, Jazz und manchmal Blues vermischt. Man könnte die Samen auch als das nordskandinavische Indianervolk bezeichnen, die Musik von Mari Boine hat auch viel indianisches, vor allem die „joiken“ genannten schamanischen Gesänge. Die neue CD, Idjagiedas, auf englisch "In The Hand Of The Night" ist vielleicht in manchen Momenten etwas eingängiger für mitteleuropäische Ohren als die Vorgänger. Deswegen hab ich auch schon irgendwo was von kommerziellem Ausverkauf gelesen. Das ist natürlich Blödsinn, denn kommerziell kann diese Musik einfach niemals sein, weil das für den Massengeschmack einfach nicht passt, allenfalls entdecken vielleicht ein paar esoterische Zirkel das für sich als Meditationshilfe. Die Band ist neu, bis auf Carlos Quispe, der auch bei den letzten Alben dabei war, dazu gibt es Gastmusiker wie den norwegischen Jazzgitaristen Terje Rypdal. Der Sound klingt vielleicht etwas kompakter, ist aber wie immer eine reichhaltige Mischung aus traditionellen, nicht unbedingt norwegischen, Instrumenten und elektrischen/elektronischen Klängen. Live ist das ganze noch eine Ecke besser, wenn es Mari Boine mal wieder nach Mitteleuropa verschlägt (die aktuelle Tour ist gerade vorbei) – unbedingt hingehen! 


Little Axe
Stone Cold Ohio
reinhören bei Amazon

*****
Eine neue CD von Little Axe aka Skip McDonald, Ex-Blueser und Ex-Defjam Hausmusiker, also die ganz andere Seite des Blues, jedenfalls war das auf seinen bisherigen Scheiben so. Auf der neuen "Stone Cold Ohio" ist das erstmal nicht mehr so ganz jenseitig, diesmal überwiegen immerhin in der ersten Hälfte der Platte doch traditionelle Klänge und Instrumente, weniger Elektronik. Bluestraditionalisten werden das vielleicht eher mögen, obwohl das mit traditionellem Blues nicht mehr viel zu tun hat, aber man erkennt doch schon einiges. Wie gewohnt bei dem Mann natürlich fast alles im Downtempo-Bereich, vielleicht eine Scheibe auf der sich open minded Blueser und Triphop Fans einigen könnten. Jedenfalls  wenn genug Rauchschwaden aufsteigen bei beiden. So nach ungefähr der Hälfte werden dann wieder mehr Samples eingestreut, geloopt, verfremdet und gemixt was das Zeug hält, aber am Ende sind immer noch eine Menge Bluesfragmente zu erkennen. Eines der Stücke auf "Stone Cold Ohio" die ein bißchen aus diesem Schema ausbrechen ist der Blueneck Dub, der hätt auch gut auf Slow Fuse oder Champagne & Grits gepasst, das ist wieder so ein Hypnotrack wie ich sie liebe, der hätt gerne auch ein paar Minuten länger sein können, leider sinds nur 3:30 geworden. Auf jeden Fall wieder eine spannende Mischung aus Blues, Hiphop, Gospel und Electronic, absolut hörenswert.


Loreena McKennitt
An Ancient Muse
reinhören bei Amazon

****
Seit neun! Jahren die erste neue Studio CD von Loreena McKennitt, die erst den Tod ihres Lebenspartners überwinden musste und danach lange Zeit auf keltischen Spuren die Lande bereist hat, von den britischen Inseln bis zum Orient, Griechenland, Türkei, Spanien und Skandinavien. Auf diesen Reisen hat sie dann wieder viele neue Einflüsse in ihre Musik einfliessen lassen, soweit der Klappentext. Eigentlich stimmt das nicht wirklich, denn diese Einflüsse waren schon immer in ihrer Musik vorhanden. Deswegen ist auch nicht wirklich aufregend Neues auf "An Ancient Road" zu finden, Themen wie "The Gates Of Istanbul" und "Caravanserai" waren auch schon früher zu finden, im Kaukasus und in Marrakesh ist sie textlich zumindest früher schon gewesen. Ebenso wenig neu sind die Vertonungen alter Gedichte, diesmal ist es Sir Walter Scott mit "The English Ladye And The Night" zu dem ihr musikalisch leider nicht viel eingefallen ist. Wenn man so die Kritiken liest ist das auch oft der Kritikpunkt, nichts aufregend Neues. Die Frage ist nur ob Fans der Musik von Loreena McKennitt wirklich etwas aufregend Neues erwarten, oder einfach nur endlich wieder ein paar neue Songs hören wollen. Und da gab es schon mal stärkere, "Gates Of Istanbul" und "Kecharitomene" würden schon später mal einen Platz auf einer eventuellen Best Of finden (wenn ich sie zusammenstellen dürfte ), vielleicht auch noch "Beneath A Phrygian Sky", aber es sind diesmal auch ein paar Ausfälle dabei. Eine Platte für Rotwein (Whisky oder andere bevorzugte Getränke) und Kerzenlicht mit überwiegend ruhigen Songs. Bei weitem nicht ihre beste Platte, aber eine deren Kauf man nicht bedauern muss wenn man die Musik mag.


Seeed
Live
reinhören bei Amazon

*****
Da haben alle Fans drauf gewartet, eine Live CD/DVD von der momentan wohl besten Liveband in Deutschland. Seeeeeed, das Dicke B aus Berlin. Kein kompletter Mitschnitt, die Aufnahmen entstanden 2004 in Berlin und 2006 in Berlin, Dresden und Karlsruhe. Seeed-typisch fangen die Beine sofort an zu zucken wenn es losgeht, zu dieser Musik muss man sich einfach bewegen. 21 (auf DVD 26) typische Dancehall/Reggae Kracher der (überwiegend) Klasse A, eine starke Mischung von älteren Sachen wie Music Monks und den Dancehall Caballeros mit den besten Tracks der letzten Studioscheibe wie Schwinger, Ding, Goosebumps u.a. Auch mein Lieblingstrack "Waterpumpee" fehlt nicht. Natürlich ist das große Klasse was die Jungs auf der Bühne abliefern, natürlich ist das alles eine ganz große tolle Party und die Leute gehen ab wie Schmitz Katze, nur fällt gerade bei diesem Livealbum dann auch ganz extrem auf das es eine Konserve ist. Denn, wie einer der Jungs neulich in einem Interview sagte "wenn wir irgendwo spielen, dann muss eineinhalb Stunden die Kuh fliegen" - und um eine Kuh fliegen zu lassen sind die großen Dancehalls dieses Landes einfach besser geeignet als das heimische Wohnzimmer. Und warum ausgerechnet "Dickes B" in der Version vom Fest in Karlsruhe verwendet wurde statt einer in Berlin aufgenommenen wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben.

 

Zurück