LogoHASCHRAUCHER AUF HORRORTRIP ERSCHLUG GROSSMUTTER !

Nicht ganz so dämlich - aber auch nicht weit davon entfernt - lauten meistens die Schlagzeilen in BLÖD und anderen Machwerken . Selten genug findet man vernünftig recherchierte und objektive Artikel in der Tagespresse zum Thema Cannabis . Das es auch anders geht zeigt ein Kommentar zum Modellversuch in Schleswig-Holstein den ich in der ZEIT gefunden habe :

 

Juristisch wagt sich Kiels rotgrüne Regierung dennoch auf schwieriges Terrain. Verkauf, Erwerb und Besitz von Drogen sind illegal. Nur wer "geringe Mengen" Cannabis selbst verzehrt, wird strafrechtlich nicht verfolgt. Mit der staatlich lizensierten Haschischabgabe verlangt das Kieler Kabinett nun offenbar das Unmögliche: den Gesetzesübertritt gesetzlich festzulegen und verbotenes Verhalten von Staats wegen zu erlauben. Der jugendpolitische Sprecher der CDU, Thorsten Geerdts, kritisiert deswegen auch die "absurde" Freigabe der"Einstiegsdroge" Cannabis. Schleswig-Holstein werde zum Mekka für Haschfreaks, der Staat zum Gras-Dealer, verkündet die Opposition unermüdlich. Ebendiese Dämonisierung der "weichen" Rauschmittel ist Teil des Problems. Weil konservative Ordnungspolitiker so tun, als sei ein Joint der sichere Weg in die Sucht und die Kiffer-Kultur der Untergang des Abendlandes, droht eine Entfremdung vieler Jugendlicher von der Gesellschaft. Die These von der im Vergleich zu Alkohol und Nikotin enormen Schädlichkeit des Haschisch und seine Verteufelung als Einstiegsdroge sind wissenschaftlich längst nicht mehr haltbar. Der Hamburger Suchtforscher Peter Raschke stellt in seinem Gutachten zur kontrollierten Cannabis-Abgabe fest: Haschisch und Marihuana machen "körperlich nicht abhängig". Die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit sei "sehr gering". Und "Todesfälle sind nicht bekannt". Das kann auch die Politik nicht länger ignorieren, wenngleich eine solche Neubewertung nicht zu einer Verharmlosung des Haschkonsums führen darf. Christian Raskop ,Auszug aus einem Artikel in DIE ZEIT Nr.48 vom 22. November 1996

Ganz anders natürlich die Springer-Presse . Dem allgemein als liberal geltenden Hamburger Abendblatt ( wer dieses Gerücht aufgebracht hat ist mir ein Rätsel ) ist die jetzige Drogenpolitik nicht restriktiv genug :

Deshalb haben andere Länder das, was Heide Moser jetzt vorhat, schon längst versucht. Siehe da: Holland ist mit seinen Coffee-Shops so wenig froh geworden wie die Schweiz mit ihrem Züricher Modell. Schweden hat sich von seiner liberalen Drogenpolitik total abgekehrt. Das ist vielleicht die wichtigste Frage, die man Heide Moser jetzt stellen muß: Muß man hier alles, was andernorts längst gescheitert ist, erst selbst nachmachen, um zu ahnen, daß es scheitern wird? Die bisherige restriktive Drogenpolitik sei gescheitert, glaubt Heide Moser. Kontra: Die bisherige liberale Drogenpolitik ist gescheitert. Eine wirklich restriktive Verfolgung von Drogenhandel und -konsum hat es in den vergangenen Jahren immer weniger gegeben, zumal bei den "weichen" Drogen. Die "kleinen" Dealer werden kaum noch verfolgt, allzuoft wieder laufengelassen. Drogenbesitz "in geringen Mengen für den eigenen Gebrauch" ist straffrei. Vielleicht ist das ja das Neue, was man mal versuchen sollte: eine wirklich entschiedene Strafverfolgung, die die Aufklärungsbemühung mahnender Eltern sinnvoll ergänzt und nicht konterkariert. Michael Kluth , Hamburger Abendblatt vom 11.2.97 .

Also wieder zurück zu den alten Zeiten ? Wer raucht geht in den Knast ? Und was folgt dann als nächstes ? Die wirklich entschiedene Strafverfolgung ist so NEU nun wieder nicht ,wie es der Herr Kluth seinen Lesern verkauft , vor nicht allzu langer Zeit ist man auch in Deutschland wg. des Besitzes kleiner Mengen Haschisch in den Knast gegangen . Und wenn das angebliche Scheitern der Drogenpolitik in Holland immer wiedergekaut wird ist es deswegen auch nicht richtiger, merkwürdigerweise weigern sich die Holländer immer noch gegen die Anfeindungen und Bevormundungen anderer Staaten und beharren weiterhin auf ihrer angeblich gescheiterten Politik. Es gibt genug Länder mit einer wirklich restriktiven Drogenpolitik - bis hin zur Todesstrafe - in denen der Konsum selbst harter Drogen zum Alltag gehört. Vom Scheitern dieser Politik wird aber nicht geredet .


Über den geplanten Modellversuch in Schleswig-Holstein wurde ganz besonders intensiv in der Hamburger Morgenpost berichtet , dabei blieben natürlich auch etliche Leserbriefe nicht aus , teils positiv , teils natürlich negativ . Da Leserbriefe in der Regel unkommentiert abgedruckt werden kann ich es mir natürlich nicht ersparen hier dazu meinen Senf abzugeben .

"Haschisch ist und bleibt die Einstiegsdroge . Es gibt kein Recht auf Rausch ." CDU-Drogenexperte Wolfgang Beuß , Hamburger Morgenpost vom 22.11.96

Was macht einen Mann wie Herrn Beuß zum sogenannten Drogen-Experten ? Eigene Erfahrungen werden es wohl kaum sein .Wenn Haschisch die Einstiegsdroge ist , was zumindest medizinisch widerlegbar ist , liegt es wohl eher daran dass man dort wo Haschisch verkauft wird auch zum großen Teil harte Drogen bekommen kann und das ist für Dealer im allgemeinen wesentlich lukrativer als der Verkauf von Cannabis , denn Haschisch macht erwiesenermaßen nicht körperlich abhängig .Wenn Haschisch in diesem Zusammenhang also die "Einstiegsdroge" bleiben soll ist die Drogenpolitik der CDU sicherlich richtig .Wenn niemand ein Recht auf Rausch hat , dann ist auch die Kiste Wein zur Feier einer gewonnenen Bundestagswahl sicherlich abzulehnen . Diese Argumentation erinnert mich fatal an die >Keine Macht den Drogen - Kampagne< für die sich immer wieder Prominente zur Verfügung stellten , wie zuletzt Marlboro Werbepartner Michael Schumacher.

"Als Konsument von Tabakwaren steht man ja inzwischen schon fast am Pranger . Wenn aber nun Frau Moser Haschisch , das ja auch geraucht wird , durch Verkauf in Apotheken freigeben will , paßt dies irgendwie nicht in die Gesundheitsschiene. Wenn es nach der Ministerin geht , dann sieht man demnächst in öffentlichen Gebäuden folgendes Schild : Rauchen verboten - außer Haschisch ." Leserbrief von N.F.aus Hamburg , Mopo 29.11.96

Ganz schön polemisch - abgesehen davon das man Haschisch nicht unbedingt rauchen muß und das von Medizinern Nikotin ein höheres Suchtpotential bescheinigt wird als Haschisch will ja niemand den Rauchern ihre Zigaretten wegnehmen . Genausowenig hat irgend jemand verlangt in öffentlichen Gebäuden Haschisch rauchen zu dürfen , aber die Toleranz die Raucher immer von Nichtrauchern erwarten kann doch bitte auch ein Kiffer von einem >Nur-Tabak< Raucher erwarten , oder ?

"Die Sozialministerin Heide Moser fordert den Verkauf von Haschisch in Apotheken .Bewußt oder unbewußt suggeriert sie damit , es handele sich bei dieser Droge um ein Heilmittel. Dieses Gerücht wird bekanntlich von den Cannabis-Freunden weidlich ausgeschlachtet. Die Hascher rauchen diesen Stoff aber nicht wegen mutmaßlicher Heilwirkungen, sondern wegen des realen berauschenden Effekts. Es wäre also nur konsequent, wenn Frau Moserdafür plädieren würde, Haschisch neben Schnaps und Wein in die Regale der Kaufhäuser zu stellen." Leserbrief von Dr. H.-U. G. , Nürnberg , Mopo 3.12.96

Tatsächlich wird THC zusätzlich bei der Therapie verschiedener Krankheiten angewendet , unter anderem bei Aids-Patienten - das ist kein von Cannabis-Freunden verbreitetes Gerücht ., aber darum geht es hier auch gar nicht .Frau Moser hat auch nicht zwingend gefordert Haschisch in Apotheken zu verkaufen um irgendwem irgendwas zu suggerieren sondern um , nach meiner Einschätzung ,eine bessere Kontrollmöglichkeit zu haben .Wenn ich mir allerdings vor Augen führe wieviel Medikamentenabhängige es gibt , die von gewissenlosen Ärzten ihre Rezepte per Post zugestellt bekommen ( mir ist zumindest persönlich so ein Fall bekannt ) weiß ich nicht womit dieses Vertrauen in die Ärzte- und Apothekerschaft gerechtfertigt sein soll .Die Schnapsregale wären sicherlich konsequenter , aber wenn ich einen guten Whisky suche gehe ich auch zum Fachhändler und nicht zu Aldi , insofern kann ich mir eher vorstellen in einem Headshop oder Coffeeshop nach dem holländischen Vorbild zu kaufen .

"Wer schützt dann noch Kinder und Jugendliche vor Rauschgift , wenn man das schon überall kaufen kann ?" Mutter in einer Hamburger Einkaufspassage,12.96 , TV.

Zum einen ist Kindererziehung immer noch Sache der Eltern und wenn man die Sache ernst nimmt dürfte die Gefährdung wohl kaum höher sein als jetzt , zum anderen kann niemand wirklich verhindern das Kinder oder Jugendliche , wo immer man da die Grenze ziehen will , irgendwann einmal etwas in dieser Richtung probieren wenn sie es wollen .Im Zweifelsfall ist dann Haschisch aus kontrolliertem Anbau und freiem Verkauf immer noch besser als aus irgend einer zwielichtigen Quelle bei der unter Umständen auch wesentlich gefährlichere Sachen "zum Testen" angeboten werden .Abgesehen davon gibt es noch das Jugendschutzgesetz , wobei es mir immer noch ein Rätsel ist wie dieses Gesetz Kinder z.B. davor schützen soll heimlich Zigaretten zu rauchen wenn an jeder Straßenecke ein Automat hängt in dem man sein Taschengeld versenken kann .

Es könnte zum Lachen sein, wenn nicht der ernste Hintergrund das Bild trüben würde . Haschisch mit Ausweis - ein Rezept gegen den Drogenmißbrauch ? Weil es jetzt alle probieren können , sinkt der Verbrauch ? Träumen Sie weiter Frau Moser , denn die leichte Zugänglichkeit beim Alkohol verhindert wohl kaum den Mißbrauch . Entkriminalisierung wird es eher nicht geben - oder wie sollen Süchtige , die bei Schwarzmarktpreisen kriminell sind , plötzlich das Geld für "legales" Haschisch aufbringen ? Guido Janeke , Vorsitzender der Jungen Union Henstedt-Ulzburg , Leserbrief Hamburger Morgenpost

So sieht das also aus wenn ein Jung - CDUler über Haschisch nachdenkt . So viel Blödsinn in einem Satz könnte fast zum Lachen sein, aber als JU Vorsitzender muss man sich wohl noch profilieren, schade nur wenn's so gründlich in die Hose geht. Laut Janeke sind es also die süchtigen Haschraucher, die den alten Omas die Handtasche klauen weil sie Geld für ihren Stoff brauchen . Ist das jetzt schlichte Unkenntnis der Sachlagen oder nur ein schlichtes Gemüt ? Oder Absicht - und das ist dann in meinen Augen schon eine fast kriminelle Verarschung der Öffentlichkeit .


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